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Infoabend im November

Am 14.11.2025  fand der zweite Infoabend zur geplanten Freien Grundschule Kirchbrak statt. Der Verein „Bildung, die bleibt“ hatte alle Interessierten zu einer Gesprächsrunde in das Grundschulgebäude eingeladen. „Wir haben mit einer kleinen, gemütlichen Runde gerechnet. Dass schließlich knapp 40 Menschen den Weg zu uns fanden, hat uns sehr beeindruckt. Tee, Snacks und Stühle waren aber ausreichend vorhanden“, berichtet Antje Widdra. 

In der Präsentation ging es neben der Finanzierung – die in den vergangenen Monaten akribisch durchdacht, von verschiedenen unabhängigen Expert*innen geprüft und als stabil eingeschätzt wurde – vor allem um das pädagogische Konzept. Denn wer eine Ersatzschule gründen möchte, muss ein besonderes pädagogisches Interesse nachweisen. Das war das Stichwort für unsere zukünftige Lernbegleiterin Martina Milisavljević, die alle Voraussetzungen mitbringt, um als Lehrerin an unserer Schule zu arbeiten und Teil des pädagogischen Teams wird. „Ende September haben wir den Antrag auf Genehmigung zur Gründung einer Ersatzschule gestellt. Dieser liegt nun zur Prüfung beim regionalen Landesamt für Schule und Bildung. In unserem Konzept haben wir den Fokus auf drei Schwerpunkte gelegt: Natur, Gesundheit und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Diese Themen sind keine Fächer im herkömmlichen Stundenplan, sondern fließen organisch in unseren Schulalltag ein. Sie sind gesellschaftsrelevant und bilden die Grundlage für einen bewussten Umgang mit sich selbst und der Umwelt. 

Mit BNE lernen wir, globale Zusammenhänge zu verstehen und im Alltag nachhaltig zu denken und zu handeln. Dazu gehört, ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Aspekte zu betrachten und erfahrbar zu machen. Durch die unmittelbare Begegnung mit der Natur wird zudem Resilienz gefördert und eine tiefe Verbundenheit mit unserer Mitwelt geschaffen.“ 

Zur dritten Säule des Konzeptes gab Jennifer Sturz wertvollen Input: „Wir sehen Gesundheit nicht als Fach, das man einmal in der Woche unterrichtet – sondern als eine Haltung, als etwas, das in unserem Schulalltag gelebt wird.“ Sie kommt zu dem Schluss: „Unser Ziel ist es, Kinder stark zu machen – körperlich, geistig und seelisch. Kinder, die wissen: Ich kann etwas, ich darf ich selbst sein, und ich bin Teil einer Gemeinschaft, die aufeinander achtet. Wenn wir das schaffen, dann haben wir Gesundheit nicht nur unterrichtet, sondern sie gelebt.“ 

Im ersten Jahr möchte der Verein mit einer Gruppe von 12 bis 20 Kindern starten und im Laufe der Jahre weiter wachsen. „Uns ist wichtig, organisch zu wachsen und deswegen zunächst mit einer Stammgruppe zu beginnen“, erklärt Maik Weper. „Stammgruppen sind klassenübergreifende Lerngruppen; für den Start sind die Klassen 1 und 2 vorgesehen.“ 

Im Februar plant die Gründungsgruppe einen Schnuppertag für Kinder und ihre Eltern, um das Konzept in der Praxis erlebbar zu machen. Auch die Einschulung 2026 steht bereits fest im Terminkalender. Zum Abschluss der Präsentation beantwortete das Team zahlreiche Fragen der aufmerksamen Zuhörer*innen. 

„Wir freuen uns, so viel Zuspruch und Unterstützung zu erfahren. Gleichzeitig ist es für uns sehr wichtig, dass viele Menschen mit anpacken, da dieses Projekt viel Engagement erfordert“, sagt Ann-Katrin Ossenkopp „Wichtig zu erwähnen ist auch, dass wir noch eine Grundschullehrerin oder einen Grundschullehrer suchen. Wir freuen uns daher, wenn unser Vorhaben weitererzählt wird und auf diesem Weg die richtigen Menschen erreicht.“ Wer den Verein und das Gründungsprojekt unterstützen oder weitere Informationen erhalten möchte, kann gerne Kontakt über die Homepage aufnehmen: www.bildung-die-bleibt.de. Auch die Stellenausschreibungen sind dort verfügbar. 
„Die ermutigenden Rückmeldungen und das gemeinsame Engagement zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir glauben fest daran, dass wir 2026 die Türen unserer Schule für die ersten Kinder öffnen werden.“ so das Gründungsteam.

Die Dorfschule Kirchbrak: „Dann machen wir es eben selbst!“ 

Ein Jahr nach der Schließung der Grundschule feiert Kirchbrak die Eröffnung der Dorfschule, einer neuen Grundschule in freier Trägerschaft– getragen von einer Dorfgemeinschaft, die sich ihren Schulstandort zurückerobert hat.

Ein rotes Band, zwölf aufgeregte Kinder und ein ganzes Dorf, das endlich wieder eine eigene Schule hat: Am vergangenen Samstag wurde „Die Dorfschule“ in Kirchbrak offiziell eröffnet. Was für die Kinder ein besonderer Tag voller Neugier und Freude war, bedeutete für viele Erwachsene weit mehr. Es war der sichtbare Beweis dafür, dass aus Enttäuschung etwas Neues entstehen kann – und dass eine Dorfgemeinschaft mehr bewegen kann, als man ihr vielleicht zutraut. Als erste Grundschule in freier Trägerschaft im Landkreis Holzminden ist sie damit etwas ganz Besonderes – vor allem aber ist sie das Ergebnis von Mut, Ausdauer und dem Engagement vieler Menschen, die nicht hinnehmen wollten, dass es im Dorf keine eigene Schule mehr geben sollte.

Für Kirchbrak war es deshalb ein besonderer Tag. Familien, Unterstützerinnen und Unterstützer, Vereinsmitglieder, politische Vertreter der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle und Gemeinde Kirchbrak sowie zahlreiche Menschen aus dem Dorf kamen zusammen, um die Eröffnung gemeinsam zu feiern.

Den offiziellen Auftakt gestalteten die Vereinsmitglieder Maik Weper (Finanzen) und Jennifer Sturz (Vorstand) des Trägervereins Bildung, die bleibt e.V., gefolgt von Bürgermeister Jens Widdra und Schulleiterin Martina Milisavljevic. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Hinter diesem Tag liegen rund 20 Monate voller Arbeit, Gespräche, Entscheidungen und auch so mancher Zweifel. Umso größer war die Freude darüber, nun tatsächlich gemeinsam vor der eigenen Schule zu stehen. Der wohl symbolträchtigste Moment folgte anschließend: Die Schülerinnen und Schüler durchtrennten gemeinsam das rote Band am Eingang. Damit war die Dorfschule Kirchbrak ganz offiziell eröffnet.

 

Aus Protest wird eine eigene Schule

Der Ausgangspunkt war ein Beschluss des Samtgemeinderates Bodenwerder Polle: Zum Ende des Schuljahres 2024/2025 sollte die Grundschule Kirchbrak geschlossen werden. Die Entscheidung fiel gegen großen Widerstand der Dorfbewohner, die Enttäuschung war entsprechend groß. Mit der Schule verlor der Ort einen wichtigen Teil seines Dorflebens.

Doch aus dem Unmut über die Entscheidung entstand allmählich ein neuer Gedanke: Wenn die alte Schule nicht erhalten werden konnte, musste vielleicht ein anderer Weg gefunden werden. Wenn die Politik keine Lösung für unser Dorf findet, dann machen wir es eben selbst!

Ein Team aus 8 engagierten Menschen begann, genau diese Möglichkeit zu prüfen. Was zunächst wie ein verrückter Gedanke klang, wurde Schritt für Schritt zu einem konkreten Vorhaben: eine eigene Grundschule in freier Trägerschaft. Es wurde geplant, gerechnet, organisiert, diskutiert und immer wieder neu überlegt. Es gab Momente, in denen der Weg machbar erschien, und andere, in denen das gesamte Vorhaben beinahe zu groß wirkte.

Trotzdem machte das Team weiter.

Der Wunsch war dabei immer derselbe: Kindern in Kirchbrak wieder einen Ort zu geben, an dem sie nicht nur Unterricht erleben, sondern gemeinsam aufwachsen, Freundschaften schließen, Neues entdecken und sich entwickeln können.

Im Juli dieses Jahres kam schließlich die Genehmigung für die Aufnahme des Schulbetriebs zum Schuljahr 2026/2027. Damit wurde aus einer Idee Realität. Am 15. August konnten die ersten zwölf Kinder in Kirchbrak eingeschult werden.

Viele kleine Beiträge, die Großes möglich machen

Dass die Schule rechtzeitig ihre Türen öffnen konnte, ist nicht allein das Ergebnis der großartigen Arbeit des Gründungsteams. Viele Eltern, Unterstützerinnen und Unterstützer haben mit angepackt und dazu beigetragen, die Räumlichkeiten für den Neustart vorzubereiten.

Es wurde gestrichen, renoviert und organisiert. Neue Teppiche wurden angeschafft, Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt, Musikinstrumente und zahlreiche weitere Dinge gespendet, die für den Schulalltag gebraucht werden. Vieles davon geschah ganz selbstverständlich und oft im Hintergrund.

Gerade diese vielen einzelnen Beiträge machen sichtbar, wie sehr die Dorfschule inzwischen von der Gemeinschaft getragen wird.

Bei der Eröffnung konnten die Besucherinnen und Besucher nun selbst einen Blick in die Räume werfen. Sie konnten sich über das pädagogische Konzept informieren, Fragen stellen und erfahren, wie ein typischer Schultag der Kinder aussieht. Bei Kaffee, Kuchen und Getränken wurde anschließend noch lange miteinander gesprochen.

Die Schule soll weiter wachsen

Mit der Eröffnung ist ein wichtiger Schritt geschafft. Doch gerade in den ersten drei Jahren steht die Dorfschule auch finanziell vor einer Herausforderung. Bis staatliche Unterstützung möglich ist, ist sie auf Spenden, eigene Einnahmen und die Unterstützung vieler Menschen angewiesen.

Gleichzeitig soll die Schule weiter wachsen und den Kindern Raum geben, ihre Interessen zu entdecken, Neues auszuprobieren und sich zu entwickeln. Dafür braucht es nicht nur finanzielle Unterstützung oder Sachspenden, sondern auch helfende Hände.

Ob bei Renovierungsarbeiten, beim Schneiden von Büschen oder bei gemeinsamen Arbeitseinsätzen – jede Unterstützung hilft dabei, die Schule weiter aufzubauen und den Kindern einen Ort zum Lernen, Leben, Lachen und Wachsen zu erhalten.

Wer die Dorfschule auf diesem Weg unterstützen möchte, ist auch als Mitglied im Trägerverein Bildung, die bleibt e.V. herzlich willkommen.

Ein Haus für das ganze Dorf

Die Schule soll darüber hinaus nicht ausschließlich den Kindern gehören. Die vorhandenen Räumlichkeiten bieten auch Möglichkeiten für andere Veranstaltungen. Ein Raum kann beispielsweise für Seminare, Schulungen oder ähnliche Angebote gemietet werden.

Damit kann die Dorfschule zu einem Ort werden, der Menschen verschiedener Generationen zusammenbringt und auch außerhalb des Schulalltags genutzt wird.

Am Ende dieses besonderen Eröffnungstages bleibt vor allem ein Gefühl: Was vor etwas mehr als einem Jahr mit der Schließung der alten Grundschule begann, hat sich in erstaunlich kurzer Zeit gewandelt. Aus der Sorge, im Dorf könne ein wichtiger Mittelpunkt verloren gehen, ist etwas Neues entstanden. Die Dorfschule ist damit mehr als der Neustart eines Schulbetriebs. Sie ist ein Zeichen dafür, was möglich wird, wenn Menschen an eine Idee glauben, Verantwortung übernehmen und gemeinsam nicht aufgeben.

 

Mach mit! Werde Teil der Dorfschule!